Das Ekel

‚Das kommt davon wenn Frauen nicht Auto fahren können. Fährt die doch glatt an der Ampel vorbei. Ja und jetzt, wie siehste jetzt, ob grün is‘?‘

Ich fahre näher ran. Holla, das ist ja ein Mann. In einem Fiat 500 Cabrio. Heutzutage kann ja jeder alles und jeder sein. Das nennt man wohl Zeitgeist.

Jetzt winkste. Is‘ ja klar. Zeigst auf die Ampel. Jaja, ich weiß Bescheid. FRÜHER das Hirn einschalten.

Ich betätige die Lichthupe. Der Fiat fährt los. Bums. Da hatte es wohl einer eilig. Aber der BMW war’s nicht.

Die Ampel hat auf grün geschaltet, ich fahre los, muss die beiden Hirnis umfahren. Ich lasse die Scheibe herunter. Ich schaue gerne in die blöden Gesichter von Leuten, die nicht begreifen können, was gerade passiert ist.

‚Au weia. Da is viel Blech verbogen. Aber Hauptsache euch is nix passiert. Merkste Dir für’s nächste Mal: erst bei Grün losfahren.‘

Ich fahre weiter und sehe im Rückspiegel wild gestikulierende Männer. Oder isses doch eine Frau? Zeigt der oder die mir g’rad den Stinkefinger? Geht’s noch? Muss doch ein Mann sein. Die können keine Kritik vertragen.

Also, immer schön die Augen aufhalten.

Das nächste Mal stehe ich vielleicht hinter euch.

(Beim Ekel handelt es ich um einen fiktiven Charakter. So hoffe ich doch.)

 

Spuren

So sitze ich nun hier

in der Mitte meines Zimmers

blicke in die Vergangenheit

schaue auf meine Spuren

sie strömen wie ein Fluss

manche breit, andere schmal

die einen dunkel, die anderen hell

ich tapeziere damit

die Wände meines Zimmers

 

Ich löse die Spuren von den Wänden

als einen Faden nehme ich sie auf

ich umwickle damit meinen Kopf

bis ich nichts mehr sehen kann

außer mich selbst

 

 

SchwarzWeiß

Als Kind fand ich Schwarz-Weiß-Fotos früherer Tage höchst interessant.

Ich hatte Mitleid mit den Leuten, die darauf abgebildet waren.

Konnten Sie die Welt doch nur Schwarz oder Weiß erleben.

Später sagte man mir, ich hätte mich getäuscht.

meinDemokratieverständnis

Patrick Stewart, bekannt als Captain Picard vom Raumschiff Enterprise oder als Charles Xavier aus der X-Man-Filmreihe, konnte einfach nicht anders. Er betrieb Popularitätsmissbrauch, indem er öffentlich mitteilte, Twitter möge den Account von Trump sperren, ‚damit dieser Albtraum endlich vorbei ist.‘

Welch‘ eigenartiges Demokratieverständnis, denk‘ ich mir. Meinungen die mir nicht passen, werden einfach … weggesperrt? Ja? Weil ich etwas dagegen habe? Weg damit?

Nun will er sogar die amerikanische Staatsbürgerschaft annehmen, um gegen Trump zu kämpfen. Mir persönlich ist es wichtiger zu wissen, wofür Menschen stehen.

Seine Aussage war Anlass, mir Gedanken über mein eigenes Demokratieverständnis zu machen. Dazu passt eine Aussage aus der jüngsten Vergangenheit, über die ich mich, wie ich meine, zu Recht empört habe:

„Frauen sind schwächer, sie sind kleiner und sie sind weniger intelligent“, sagte der polnische EU-Abgeordnete Januz Korwin-Mikke. Natürlich müssten sie daher weniger verdienen als Männer, findet der Mann. (stern.de, 02.03.17).

Und so einer sitzt im EU-Parlament? Der sollte schleunigst seinen Rücktritt einreichen.

Danach wurde mir aber bewusst, dass es mit meinem Demokratieverständnis (mit dem Grundpfeiler der Meinungsfreiheit) leider auch nicht sehr weit her ist.

Diese Politische Korrektheit war als Segen gedacht und hat sich zum Fluch entwickelt.

Ja, dieser Mann darf das sagen, er hat das Recht (der Meinungsfreiheit) auf seiner Seite. Und sollte er inhaltlich nicht Recht haben, gibt es genügend intelligente Leute, die seine Meinung widerlegen können. Diese Menschen sind auf meine Empörung NICHT angewiesen. Nur aus konträren Meinungen entwickelt sich etwas weiter, Einheitsmeinungen sind Nährboden von Autokratien.

Es sind die zu gut denkenden Menschen, die in ihrer moralisch überheblichen Überlegenheit Meinungshoheit einfordern und Andersdenkende diskreditieren, um sich dann – wenn sie den Gegner scheinbar in den Winkel gestellt haben – selbstzufrieden auf die Schulter zu klopfen. Aber andererseits verwundert sind, dass sowas wie Brexit oder sower wie Trump möglich sind. Und darüber den Kopf schütteln, weil sie leider nicht begriffen haben, das (zu) gut nicht immer besser ist.

Eine Grenze zur Meinungsfreiheit zu ziehen fällt mir schwer, Schluss ist bei mir auf jeden Fall bei Anwendung von Gewalt.